Lotus Esprit S1

009 – Lotus Esprit S1

Wenn weder Ausweichmanöver noch eine Farbspritzanlage hilft, gibt es nur noch einen Lösung: Abtauchen. Und das hat der Lotus Esprit in „Der Spion, der mich liebte“ wortwörtlich genommen. Er verwandelt sich auf der Flucht vor Maschinengewehr-Angriffen in ein Amphibienfahrzeug und trickst damit seine Verfolger aus. Doch hält der Sportwagen dafür wirklich dicht?

Bernd Reich

Das Auto

Die Marke Lotus ist das Lebenswerk des Briten Colin Chapman. Das Unternehmen Lotus wurde bereits 1952 gegründet und war von Anfang an dem Rennsport verschrieben. Anfänglich lieferte Lotus keine kompletten Autos, sondern vertrieb diese als Bausätze. Die innovative Technik der Fahrzeuge schlug sich in Siegen zum Beispiel bei Bergrennen nieder. Mit einem Lotus wurde in den Anfangsjahren ein 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewonnen und mehrfach die Weltmeisterschaft der Konstrukteure. Colin Chapman war kein Freund übertriebener Motorisierung. Er setzte vielmehr auf leichte Werkstoffe und ausgefeilte Fahrwerke. So waren seine Autos auch mit eher kleinen Motoren erfolgreich. Ein bekanntes Modell wurde der Lotus Seven, bei dem die Räder außerhalb der Karosserie liegen. Doch Lotus wollte aus der Rennsport-Ecke irgendwann hin zu den lukrativen Sportwagen. Erste Versuche wurden mit dem Elite und dem Elan gestartet. Bereits 1972 vorgestellt kam 1976 schließlich der Esprit auf den Markt, dem der italienische Designer Giorgetto Giugiaro eine auffällige Keilform verpasste. Unter der Kunststoffkarosserie des Mittelmotorsportwagens verbarg sich ein U-förmiger Zentralrahmen, der alle Aggregate und das aufwändige Fahrwerk aufnahm. Lotus baute einen eigenen 2,2-Liter-Vierzylindermotor ein, der 210 PS leistete.

Rolle im Film

Im Streifen „Der Spion, der mich liebte“ wächst der Lotus Esprit über sich hinaus. Während einer wilden Verfolgungsfahrt, bei der Bond mit seiner charmanten russischen Gegenspielerin in Italien unterwegs ist, zeigt der Esprit was in ihm steckt. Ein Motorrad kann Bond noch auf klassische Weise mit gekonnten Fahrmanövern abhängen, bevor der explosive Beiwagen des Motorrads in den Lotus einschlägt. Die nächsten Angreifer schaltet Bond mit der in das Heck des Esprit integrierten Farbspritzanlage lässig per Knopfdruck aus. Durch die undurchsichtige Farbe auf der Windschutzscheibe wird der Wagen der Verfolger plötzlich unfahrbar und rast über eine Klippe. Doch dann kommt es dicke: Ein mit Maschinengewehren bestückter Hubschrauber nimmt den Lotus ins Visier. Diesmal ist die Rettung eher unkonventionell. Bond lenkt den Sportwagen über einen Seesteg ins Meer. Verblüffenderweise entpuppt sich der Esprit dabei als eine Art Amphibienfahrzeug, welches sich unter Wasser in ein U-Boot verwandeln lässt. Die Räder klappen ein, Flossen und ein Periskop fahren aus, Gitter schützen die Scheiben. Das Lenkrad wird zur Ruderanlage, und für den Vortrieb sorgen Propeller am Heck. Nach der ersten Schrecksekunde unter Wasser schießt Bond den Hubschrauber mit einer per Schalthebel lenkbaren Rakete ab. Doch die Ruhe unter Wasser hält nicht lange vor, denn Taucher mit Harpunen und einem Minitauchbot greifen den abgetauchten Lotus an. Mit einer Ladung aus dem kleinen Raketenwerfer zwischen den Scheinwerfern wird der erste Angreifer geschlagen. Der nächste wird gerammt. Und das Minitauchboot wird zunächst durch das Ausstoßen von schwarzer Tinte aus einem Ventil im Heck des Lotus vom Kollisionskurs abgebracht. Dann gleitet durch einen kleinen Deckel im Fahrzeugboden eine Wassermine auf den Meeresgrund, welche im nächsten Augenblick explodiert und den Angreifer ausschaltet. Bond ist etwas überrascht darüber, dass seine russische Kollegin die Abwehrtechnik des abgetauchten Lotus bedienen kann, doch sie beichtet ihm, dass sie die Baupläne zwei Jahre zuvor gestohlen hat.

Ein Wassereintritt in den getauchten Esprit zwingt zum Verlassen des Meeres. Natürlich schafft es der Lotus unter den Augen verdutzter Badegäste mit eigener Kraft vom Meeresboden auf den Strand zu fahren. Mit einem süffisanten Lächeln auf den Lippen wirft Bond einen toten Fisch aus dem Lotus, und dann geht die Reise weiter.

 

DAT-Expertise

Bei seinem Einsatz in Italien hatte der Lotus Esprit einige Schäden erlitten, welche ein Gutachter beurteilen sollte. Durch Beschuss und Druckwellen war die Kabine undicht geworden. Vermutlich hätten einige Teile der Kunststoffkarosserie ausgewechselt oder instand gesetzt werden müssen. Die Kalkulation dieser Arbeiten wäre mit der SilverDAT 3 möglich, auch wenn für den Exoten keine Teile hinterlegt sind.

Mit dem phantasievollen Auftritt im Bond-Streifen wurde der Lotus Esprit weltbekannt. Doch ist das Auto bis zu einem Produktionsende 2004 ein Exot geblieben. Lediglich 10.500 Exemplare wurden hergestellt. Allerdings hat sich der Esprit bei sorgfältigem Umgang als problemlos und langlebig erwiesen. So sollte der Motor stets mit Bedacht warm gefahren werden. Wer sich heute für einen frühen Esprit interessiert, muss knapp 40.000 Euro investieren. Jüngere Exemplare, die stärker motorisiert waren, werden im sechsstelligen Bereich gehandelt. Das tauchfähige Exemplar aus dem Bond-Film hat vor einigen Jahren der US-Milliardär Elon Musk für seine Sammlung ersteigert.

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