PTI

Das PTI-Service-Portal: über die Komplexität am Prüfstand

Drei Jahre nach der Erstzulassung und danach alle zwei Jahre hat ein Auto einen festen Termin: die Hauptuntersuchung. Doch die Komplexität der Fahrzeuge steigt – und somit auch die am Prüfstand. Einen Überblick verschafft das PTI-Service-Portal der DAT, über das alle relevanten Daten eines Autos abrufbar sind.

Bernd Reich

45% waren letztes Jahr bei der Hauptuntersuchung

Bei der Hauptuntersuchung überprüft ein unabhängiger Prüfer, ob ein Fahrzeug noch verkehrssicher ist. Ist alles ok, dann gibt es eine Plakette, die er auf das hintere Kennzeichen klebt. Laut DAT-Report 2020 mussten 45 Prozent der privaten Pkw-Halter ihr Fahrzeug im vergangenen Jahr zur Hauptuntersuchung vorstellen. Dabei brachten zwei von drei Haltern ihren Wagen in die Werkstatt und ein Drittel der betroffenen Pkw wurde direkt zu einer Prüfstelle gebracht.

Die Komplexität steigt...

Früher trieb die Hauptuntersuchung auch gestandenen Pkw-Fahrern Schweißperlen auf die Stirn, wenn der Prüfer mit Hammer oder Schraubenzieher bewaffnet nach Durchrostungen tragender Teile suchte. Diese Zeiten sind vorbei. Moderne Autos rosten kaum noch durch. Außerdem hat der europäische Gesetzgeber die Hauptuntersuchung in den vergangenen Jahren erheblich weiter entwickelt. Dabei hat man die Qualität der Hauptuntersuchung, für die sich im internationalen Gebrauch der englischsprachige Begriff Periodical Technical Inspection (PTI) durchgesetzt hat, deutlich gesteigert. So wurden Prüfpositionen und Bewertungskriterien vereinheitlicht, die Bremsprüfung revidiert, sowie die Scheinwerferprüfung verbessert.

..auch bei den Fahrzeugen

Allerdings wurden auch die Autos in den vergangenen Jahren erheblich weiterentwickelt. Viele ehemals mechanische sind elektronischen Systemen gewichen. So arbeiten sicherheits- und abgasrelevante Systeme moderner Autos mit Steuergeräten. Auch diese Systeme muss ein Prüfer im Rahmen der Hauptuntersuchung auf sichere Funktion prüfen, was nicht so einfach ist. Schließlich sind Autos heute ab Werk sehr individuell konfigurierbar. So können sich zwei Fahrzeuge einer Baureihe, die auf den ersten Blick sehr ähnlich aussehen, technisch in vielen Details erheblich voneinander unterscheiden. Beleuchtung, Antrieb, Fahrwerk und die Anzahl und Art der Assistenzsysteme können von einem Fahrzeug zum anderen stark abweichen. Daher ist es für den Prüfer immer schwerer zu erkennen, was in ein Fahrzeug ab Werk eingebaut wurde und was im Laufe eines Autolebens wieder ausgebaut oder deaktiviert wurde. Der Gesetzgeber schreibt aber vor, dass sämtliche ab Werk verbautensicherheitsrelevanten Systeme auch immer funktionieren müssen. Es darf also zum Beispiel kein Airbag ausgebaut werden oder ein Xenon-Scheinwerfer einfach durch einen mit Halogenlicht ersetzt werden. 

PTI-Service-Portal schafft Abhilfe

Doch wie sollen die Prüfer dies nun erkennen? Dafür hat sich der Gesetzgeber etwas ausgedacht. Für alle Fahrzeuge, die ab 20. Mai 2018 zugelassen wurden, müssen die Fahrzeughersteller eine Online-Datenbank bereitstellen, die nach Eingabe der Fahrgestellnummer alle für die Prüfung des Fahrzeugs relevanten, individuellen Daten zur Verfügung stellt. Die DAT hat dafür das PTI-Service-Portal entwickelt, welches einige Hersteller wie Honda, Mazda und Opel bereits nutzen. So weiß der Prüfer vor Ort immer genau wie das zu prüfende Fahrzeug ausgerüstet ist und worauf er zu achten hat. Das PTI-Service-Portal der DAT ist europaweit für Prüfer zugänglich und bietet die Infos in 24 Sprachversionen an.

About Author

Schreibe einen Kommentar

Wie nützlich war dieser Beitrag?

Klicken Sie auf einen Stern, um ihn zu bewerten!

Durchschnittliche Bewertung 0 / 5. Vote count: 0

Bisher keine Stimmen! Sei der Erste, der diesen Beitrag bewertet.

Menü schließen