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Theoretischer Vorteil

E-Autos sagt man einen deutlich geringeren Wartungsaufwand im Vergleich zu Verbrennern nach. Das stimmt im Hinblick auf den Antrieb. Allerdings bleiben viele Wartungspositionen erhalten.

Bernd Reich

Bei der Wartung fällt manche Position weg oder wird ergänzt

Manche ungewohnte Position steht neu im Inspektionsplan eines E-Autos. Eine dieser neuen Positionen betrifft die Bremsanlage. So hat zum Beispiel Porsche für seinen Taycan ein Wartungsintervall für die Bremsbeläge eingeführt, denn diese verschleißen kaum noch. Nur durch regelmäßige Wartung und Tausch der Beläge kann sichergestellt werden, dass die Bremsen in ihrer Funktion nicht eingeschränkt sind. Schließlich hält gerade die Benutzung die Bremsanlagen von Verbrennern fit.

Wenn ein Fahrzeug stark rekuperiert und somit der Fahrer selten die Bremse nutzt, leidet die Funktionsfähigkeit der Bremsanlage. Trotzdem muss für eine Notfallbremsung die Bremsanlage jederzeit funktionsbereit sein. Man sollte sich zur Routine machen, ab und an bewusst zu bremsen, ohne andere Verkehrsteilnehmer zu gefährden. VW führt beispielsweise beim iD3 wieder die Trommelbremsen ein, da diese gegen Korrosion weniger anfällig sind als Scheibenbremsen.

Das zusätzliche Gewicht der E-Fahrzeuge mit den mehrere hundert Kilo schweren Akkus spielt eine Rolle, da es das Fahrwerk stark beansprucht. Hier ist auf alle Fälle in gewissen Abständen zu prüfen, ob keine Lenker und Buchsen ausgeschlagen sind. 

 

Wartung erhält die Sicherheit

Was die Kosten für die Wartungen beim E-Auto betrifft, so fällt es schwer, pauschal Aussagen dazu zu treffen, wie sich deren Höhe im Vergleich zu klassischen Verbrennern verhält. Erhalten bleiben viele Punkte wie der regelmäßige Austausch der Bremsflüssigkeit, die Prüfung der Bremsanlage, die Prüfung der Beleuchtung oder der Tausch des Kältemittels. Auch Positionen wie das Auslesen des Fehlerspeichers im Rahmen der Inspektion, die Prüfung von Gurten und Gurtschlössern, das Schmieren der Türhaltebänder und Einstellen der Wischerdüsen fallen unabhängig vom Antriebssystem an. Es gibt viele Positionen, die eine Werkstatt im Rahmen einer Wartung überprüft, damit alle Funktionen eines Fahrzeugs stets vollumfänglich zur Verfügung stehen.

Für die routinemäßige Prüfung des Hochvoltsystems gibt es ebenfalls Vorgaben, die je nach Fahrzeugmarke unterschiedlich ausfallen. Grundsätzlich sollte die Isolation aller Hochvoltleitungen regelmäßig überprüft werden. Bei der Prüfung der Akkus gibt es derzeit noch kein generelles Verfahren. Ersatzweise wird die Anzahl der Ladevorgänge an Schnellladern und an heimischen Ladepunkt ausgelesen und die Degeneration des Akkus berechnet. Doch womöglich gibt es nach einigen spektakulären Akku-Bränden in Zukunft auch spezielle Sicherheitstests für Akkus im Rahmen der Inspektion.

Die Inspektionspläne der aktuellen E-Autos ähneln derzeit noch sehr stark denen ihrer Verbrennerkollegen. Deshalb werden die Kosten für die Wartung ebenfalls ähnlich hoch sein, natürlich abzüglich der Positionen Öl und Ölfilter.

Elektroautopionier Tesla sieht das Thema Wartung übrigens völlig anders und verzichtet beispielsweise aktuell komplett auf Wartungen. Das dürfte für die Fahrzeughalter sehr ungewohnt sein und wird dem komplexen Produkt Auto und seinen sicherheitsrelevanten Systemen vermutlich kaum gerecht. Spätestens bei der Hauptuntersuchung dürfte sich die vernachlässigte Wartung rächen. Immerhin haben 86% aller Pkw-Halter in der Befragung für den aktuellen DAT-Report 2020 bestätigt, dass Inspektionen ihnen ein gutes Bauchgefühl im Hinblick auf die Sicherheit ihres eigenen Fahrzeugs geben. Und: 76% bestätigten, dass regelmäßige Wartung und Pflege den Wiederverkaufswert des eigenen Pkw erhöhen.

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